Lieferando-Gebühren sind für viele Restaurants, Pizzerien und Imbisse der größte versteckte Kostenfaktor im Liefergeschäft. Auf dem Papier klingt eine Provision von 13 % vielleicht verkraftbar. Rechnet man Marketing-Pakete, Zahlungsabwicklung und Sonderaktionen mit ein, bleibt von jeder Bestellung oft deutlich weniger übrig, als Betriebe erwarten. Dieser Artikel zeigt konkret, was Lieferando kostet, wie sich das auf Ihre Marge auswirkt und welche Alternativen es gibt.
Egal ob Sie eine Pizzeria, einen Döner-Imbiss oder ein Asia-Restaurant führen: Die Provisionslogik von Lieferando trifft alle Küchen gleich. Wer knapp kalkuliert, merkt den Unterschied zwischen 13 % und 30 % besonders deutlich — er entscheidet oft darüber, ob eine Lieferung sich überhaupt noch lohnt.
Was Lieferando pro Bestellung wirklich kostet
Die Provision bei Lieferando richtet sich danach, wer liefert. Bei Eigenlieferung — Ihr eigenes Fahrpersonal bringt das Essen — verlangt die Plattform in der Regel 13 % vom Bestellwert. Übernimmt Lieferando die Lieferung mit eigenen Fahrern oder buchen Sie zusätzliche Sichtbarkeits- und Marketing-Pakete, steigt der Anteil auf bis zu 30 %. Bei einer Bestellung von 35 € sind das je nach Modell zwischen 4,55 € und über 10 € — pro Bestellung, jeden Tag.
Wichtig: Diese Prozentsätze werden vom Bruttoumsatz abgezogen, nicht vom Gewinn. Zutaten, Personal, Miete und Energie zahlen Sie unabhängig davon aus dem verbleibenden Rest. Bei einer Pizzeria mit ohnehin knapper Marge von 15–20 % kann allein die Provision die Hälfte des möglichen Gewinns auffressen.
Ein weiterer Punkt wird oft übersehen: Die Provision fällt auf den gesamten Bestellwert an — inklusive Liefergebühr, die der Gast zahlt. Diese landet nicht komplett bei Ihnen, sondern wird ebenfalls anteilig verrechnet. Wer nur den Nettobetrag der Speisen kalkuliert, unterschätzt die tatsächliche Kostenquote schnell.
Weitere Kosten neben der reinen Provision
Die Provision ist selten die einzige Position auf der Abrechnung. Je nach Vertrag und Region können weitere Posten dazukommen, die auf den ersten Blick klein wirken, sich über den Monat aber summieren. Häufig kommen dazu:
- Zahlungsabwicklung: Gebühren für Kartenzahlung und Online-Bezahlung, die Lieferando für Sie übernimmt.
- Marketing- und Sichtbarkeitspakete: Bessere Platzierung in der App kostet meist zusätzliche Prozentpunkte.
- Rabattaktionen: Von Lieferando initiierte Aktionen (z. B. Rabattcodes für Neukunden), die zulasten Ihres Umsatzes gehen können.
In Summe erleben viele Betriebe eine effektive Kostenquote, die spürbar über der reinen Basisprovision liegt.
Die monatliche Abrechnung ist dabei nicht immer leicht zu lesen. Diese drei Schritte helfen, den wahren Kostenanteil zu finden:
- Bruttoumsatz und Auszahlung vergleichen: Ziehen Sie die Differenz zwischen dem, was Gäste gezahlt haben, und dem, was tatsächlich auf Ihrem Konto ankommt.
- Zusatzpakete einzeln auflisten: Prüfen Sie, ob Sie Sichtbarkeits- oder Marketing-Pakete gebucht haben, die separat abgerechnet werden.
- Effektivsatz berechnen: Teilen Sie die Gesamtkosten durch den Bruttoumsatz. Das Ergebnis ist Ihre echte Provisionsquote — oft höher als der beworbene Basissatz.
Wer diesen Effektivsatz einmal kennt, kann realistisch abschätzen, ob ein zweiter, günstigerer Bestellkanal sich lohnt.
Rechenbeispiel: Was vom Umsatz übrig bleibt
Zahlen sagen mehr als Prozentangaben. Nehmen wir eine Pizzeria mit 150 Lieferando-Bestellungen im Monat, Durchschnittsbon 28 €. Das ergibt 4.200 € Umsatz über die Plattform.
| Modell | Provisionssatz | Kosten/Monat | Bleibt vor Wareneinsatz |
|---|---|---|---|
| Lieferando, Eigenlieferung | 13 % | 546 € | 3.654 € |
| Lieferando, mit Zusatzpaket | ca. 25 % | 1.050 € | 3.150 € |
| Lieferando, Vollservice | 30 % | 1.260 € | 2.940 € |
Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Modell liegt bei über 700 € im Monat — allein durch die Provisionsstruktur, ohne dass Sie einen einzigen Gast mehr bedient oder eine einzige Pizza mehr gebacken hätten.
Warum die Provision so hoch ist
Lieferando finanziert damit Werbung, App-Entwicklung und die Reichweite des Marktplatzes. Für neue Gäste, die sonst nie von Ihrem Betrieb erfahren hätten, ist das ein fairer Deal. Für Stammkunden, die ohnehin wiederkommen würden, zahlen Sie die gleiche hohe Provision — obwohl Sie diese Gäste eigentlich schon „haben". Genau hier setzt der Gedanke einer eigenen Bestell-Website an: siehe warum Stammkunden über die eigene Website Gold wert sind.
Ein weiterer Aspekt: Als Marktplatz hat Lieferando keinen Anreiz, Ihre Provisionslast zu senken. Solange genug Restaurants mitmachen, bleibt der Preis stabil hoch. Verhandlungsspielraum gibt es kaum, weil die Plattform aus Gastronomen-Sicht oft alternativlos wirkt — bis man beginnt, konkret nach echten Alternativen zu suchen.
Alternativen zur hohen Provision
Viele Betriebe kombinieren Lieferando für Neukunden-Reichweite mit einem eigenen Online-Bestellsystem für Bestandskunden. Bestelltheke etwa arbeitet mit deutlich geringeren Sätzen: Start-Tarif ab 5 % je Online-Bestellung (gedeckelt bei 399 €/Monat), Komplett-Tarif mit Küchen-Monitor, Bondruck und Gutscheinen bei 7 % (gedeckelt bei 499 €/Monat), oder eine Flatrate ab 249 €/Monat ohne Provision. In allen Fällen ohne Grundgebühr bei den Prozent-Modellen. Einen ausführlichen Vergleich verschiedener Wege finden Sie im Artikel Lieferando-Alternative: 5 Wege zu weniger Provision.
Was Sie jetzt tun können
Prüfen Sie zunächst, wie viel Umsatz aktuell über Lieferando läuft und wie hoch die effektive Provision wirklich ist — inklusive aller Zusatzpakete. Vergleichen Sie das anschließend mit den Kosten einer eigenen Bestell-Website. Einen direkten Kostenvergleich beider Wege liefert Eigene Bestell-Website vs. Lieferando: Was lohnt sich?. Wer selbst rechnen möchte, findet alle Tarife unter Bestelltheke Preise oder testet das System direkt in der Live-Demo.
Wichtig ist der zeitliche Rahmen: Eine eigene Bestell-Website lässt sich in wenigen Tagen einrichten, ohne dass Sie Lieferando sofort kündigen müssen. Sie testen parallel, sammeln erste Bestellungen über den neuen Kanal und verschieben Ihr Gewicht Schritt für Schritt dorthin, wo die Kosten niedriger sind. So gehen Sie kein Risiko ein und behalten trotzdem die volle Reichweite der Plattform, solange Sie sie brauchen.