Wer nach einer Lieferando-Alternative sucht, meint meist eines: weniger Provision zahlen, ohne auf Online-Bestellungen zu verzichten. Die Provision bei Lieferando liegt je nach Modell zwischen 13 % und 30 % (mehr dazu im Artikel Lieferando-Gebühren im Detail). Das ist bei knappen Margen in der Gastronomie eine erhebliche Belastung. Dieser Ratgeber stellt fünf konkrete Wege vor, mit Vor- und Nachteilen, damit Sie entscheiden können, was zu Ihrem Betrieb passt.
Ob Pizzeria, Döner-Imbiss, Sushi-Lieferdienst oder Asia-Restaurant: Das Grundproblem ist bei fast jeder Küche gleich. Ein hoher Prozentsatz je Bestellung frisst genau den Teil des Umsatzes, der eigentlich als Gewinn übrig bleiben sollte. Die folgenden fünf Wege unterscheiden sich stark in Aufwand, Kosten und wie schnell Sie sie umsetzen können — deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick auf jeden einzelnen.
Weg 1: Eine eigene Bestell-Website
Der wirksamste Weg, dauerhaft Provision zu sparen, ist ein eigenes Online-Bestellsystem auf einer eigenen Website oder Subdomain. Gäste bestellen direkt bei Ihnen, Sie zahlen deutlich weniger als bei Lieferando — bei Bestelltheke etwa ab 5 % (gedeckelt bei 399 €/Monat) im Start-Tarif oder eine Flatrate ab 249 €/Monat ganz ohne Provision. Der Haken: Sie müssen die Website selbst bekannt machen, zum Beispiel über Ihre Speisekarte, Social Media oder Google-Profil. Reichweite baut sich hier langsamer auf als über einen Marktplatz mit Millionen Nutzern. Dafür gehört jede gewonnene Bestellung dauerhaft Ihnen — inklusive der Kundendaten, die Sie für spätere Aktionen oder Gutscheine nutzen können. Bei 100 Bestellungen im Monat und einem Durchschnittsbon von 25 € macht allein der Unterschied zwischen 20 % Lieferando-Provision und 5 % Bestelltheke-Provision rund 375 € im Monat aus — Geld, das sonst dauerhaft an die Plattform geht.
Weg 2: Auf einen anderen Marktplatz wechseln
Wolt, Uber Eats und ähnliche Anbieter wirken auf den ersten Blick wie eine einfache Alternative. In der Praxis liegen die Provisionsmodelle meist in ähnlichen Größenordnungen wie bei Lieferando. Sie tauschen also einen Marktplatz gegen einen anderen, ohne das Grundproblem — hohe Provision je Bestellung — zu lösen. Sinnvoll kann das sein, wenn ein Marktplatz in Ihrer Region besonders stark ist oder Ihre Zielgruppe dort aktiver bestellt. Als alleinige Lösung für das Kostenproblem taugt der reine Anbieterwechsel jedoch selten — Sie zahlen am Ende einer anderen Plattform ähnlich viel wie zuvor. Ein Vergleich der Konditionen lohnt sich trotzdem, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben, denn kleine Unterschiede in der Provisionsstruktur summieren sich über viele Bestellungen.
Weg 3: Bestellung per Telefon oder WhatsApp
Ganz ohne Plattform, ganz ohne Provision — das klingt verlockend. Die Realität sieht anders aus: Anrufe während der Stoßzeit werden verpasst, Bestellungen per WhatsApp verschwinden im Chat-Verlauf, Adressen werden falsch notiert. Ohne System fehlt außerdem eine saubere Zahlungsabwicklung nach deutschem Recht (Button-Lösung „Zahlungspflichtig bestellen"). Was auf dem Papier kostenlos wirkt, kostet in der Praxis Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall verlorene Bestellungen. Gerade in Stoßzeiten, wenn die Küche voll ausgelastet ist, fehlt schlicht die Kapazität, jeden Anruf sauber entgegenzunehmen. Ein digitales Bestellsystem übernimmt genau diese Arbeit automatisch, auch wenn in der Küche gerade Hochbetrieb herrscht.
Weg 4: QR-Code-Karte plus eigenes Bestellsystem
Ein pragmatischer Mittelweg: Ein QR-Code auf der Speisekarte, an der Tür oder auf Flyern führt direkt zur eigenen Bestell-Website. Gäste, die schon bei Ihnen waren oder vorbeikommen, bestellen ohne Umweg über einen Marktplatz. Kombiniert mit einem Konfigurator für Ihre Speisekarte, Lieferzonen und Vorbestellung wird daraus ein vollwertiger zweiter Kanal — ganz ohne zusätzliche Marketingkosten für Reichweite, die Sie ohnehin schon haben. Ein kleiner Aufkleber an der Kasse oder ein Hinweis auf der Rechnung genügt oft, um Gäste auf den günstigeren Weg aufmerksam zu machen.
Weg 5: Die Kombi-Strategie
In der Praxis ist selten „entweder-oder" die richtige Antwort. Viele erfolgreiche Betriebe nutzen Lieferando weiterhin für Neukunden und Laufkundschaft, verschieben aber gezielt Stammkunden auf die eigene Bestell-Website — etwa durch einen Hinweis auf der Quittung, Gutscheine für Direktbestellungen oder einen Link im Google-Profil. So sinkt die durchschnittliche Provisionslast über alle Bestellungen hinweg, ohne dass Sie auf Reichweite verzichten müssen. Über einige Monate hinweg verschiebt sich der Anteil spürbar in Richtung des günstigeren Kanals, ohne dass Sie aktiv irgendetwas kündigen oder Ihre Gäste an einen neuen Ablauf gewöhnen mussten.
Die folgende Übersicht fasst die fünf Wege noch einmal nebeneinander zusammen — nach Kosten, Aufwand und Reichweite:
| Weg | Kosten | Aufwand | Reichweite |
|---|---|---|---|
| Eigene Bestell-Website | ab 5 % oder Flat ab 249 € | mittel (einmalig einrichten) | muss selbst aufgebaut werden |
| Anderer Marktplatz | ähnlich wie Lieferando | gering | vorhanden, aber neu |
| Telefon/WhatsApp | keine Provision | hoch (manuell, fehleranfällig) | nur Bestandskunden |
| QR-Code + eigenes System | ab 5 % oder Flat ab 249 € | gering, sobald eingerichtet | vorhandene Laufkundschaft |
| Kombi-Strategie | sinkt im Durchschnitt | mittel | Marktplatz + eigener Kanal |
Welcher Weg passt zu Ihrem Betrieb?
Wenn Sie hauptsächlich neue Gäste über Lieferando gewinnen, lohnt sich die Kombi-Strategie: Marktplatz für Reichweite, eigene Website für Stammkunden mit geringerer Provision. Wenn Sie bereits einen treuen Kundenstamm haben, kann sich der schnelle Umstieg auf eine eigene Bestell-Website noch mehr auszahlen. Einen direkten Kostenvergleich beider Modelle finden Sie unter Eigene Bestell-Website vs. Lieferando: Was lohnt sich?. Wer direkt loslegen möchte, findet alle Tarife unter Preise oder startet mit der kostenlosen Registrierung.
Eine letzte Faustregel: Je größer der Anteil an Stammkunden in Ihrem Betrieb, desto schneller rechnet sich der Umstieg. Betriebe mit hohem Laufkundschaft-Anteil profitieren dagegen eher von der Kombination aus Marktplatz und eigenem Kanal. Testen Sie beide Wege ruhig parallel — die Zahlen nach ein bis zwei Monaten sprechen meist für sich und zeigen klar, wohin sich der Umsatz sinnvoll verschieben lässt.